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Ist der Bordstein high?

Heute machen wir auf einen ständigen Begleiter aufmerksam. Er ist still und ruhig, mal präsent, mal weniger. Aber immer und überall trennt er die einen von den anderen Verkehrsteilnehmern – sprich Autofahrer von Fußgängern. Gut der Radfahrer an und für sich weiss mitunter nicht so genau, auf welche Seite er nun gehört, aber dafür wird er ja auch regelmäßig angehupt. Wir konzentrieren uns einfach auf den Bordstein.

Wären wir heute pedantisch, müssten wir natürlich von “es” reden. Denn der Bordstein ist so furchtbar unpersönlich wie er nur sein kann. (Wahrscheinlich wurde er deswegen auch mal an die Gosse angelehnt.) Und das ist auch schon sein Dilemma. Selbst mit der Gewissheit, sein Leben lang in schönster Regelmäßigkeit mit Füßen getreten und von Autoreifen malträtiert zu werden, lässt sich ihm einfach kein Mucks entlocken.

Das hat der Uwe vom Straßenbauamt natürlich schon längst begriffen. Und so nutzt er unser aller grau-sam dreinblickenden “Bordy” schamlos aus. Indem der Uwe nämlich einfach sagt, wie hoch der Bordstein sein soll. Das ist fast so, als wenn man jedem Kind das auf die Welt kommt sagen würde “Du hast heute einsdreiundsiebzig abbekommen. Mach was draus.” Und was daraus so alles entsteht, das “erfährt” Autos Fahrer jeden Tag auf’s neue.

Was als nette Spielerei (Abgrenzung des Trottoirs) begann, entwickelte sich für Uwe (den vom Straßenbauamt) schnell zum gestalterischen Mittel. Und deshalb dürfen heute Bordsteine selbst Bäume schützen, und Schranken. Und selbst da, wo eigentlich kein Borstein von Nöten wäre, wird einfach mal einer hingeklatscht. Etwas tiefer zwar, damit nur noch die Stirn rausguckt, aber immerhin. So. Super schaut’s aus! Jeder von euch wird das kennen: Auf dem Weg nach Hause muss er wenigstens einmal über so ein Ding drüber. Eine einfache Kreuzung hätte auch gereicht. Müsste man aber ein Schild aufstellen. Deshalb der Bordstein.

Das sieht auf den ersten Blick gar nicht so wild aus, macht sich aber an eurem Liebling (Auto! Nicht dem Beifahrer/der Beifahrerin!) über kurz oder lang bemerkbar. Mit Klappern und Stuckern. Dann ist das Fahrwerk hin. Was das ist, das muss man nicht genau wissen. Wichtig ist nur, dass es teuer wird. Da freut sich der Willi aus der Werkstatt. Und wenn er das Malheur erstmal sieht, dann wird ihm gleich noch viel wärmer um’s Herz. Denn er weiss – früher oder später kommt ihr wieder…

Richtig übel können diese grauen Rotzbalken aber werden, wenn sie missbraucht werden, um die Breite einer Spur zu beschneiden. Gern genommen in Parkhäusern. Hmm, da ist zwar kein Trottoir, aber die Schranke (siehe oben) ist offensichtlich auch schützenswert. Also hat Uwe der Schranke mal 30cm Beton verordnet. In der Höhe natürlich. Dumm, dass er dabei auch die Spur schmaler als einsneunzig gemacht hat. Nun sollte man meinen, der Manta ist ausgestorben. Ist auch fast richtig. Leider sind moderne Autos mit ringsrum angemalten Spoilern, Schwellern und sonstigem Zierrat – den Vati übrigens ganz reizend findet und im morgendlichen Berufsverkehr gern zur Schau stellt – ausgestattet und deswegen trotzdem sehr tief. So kann es passieren, dass nicht nur Manni sich den Spoiler abreisst, sondern auch Vatis TDI heftigst aufsetzt. Das Geräusch lassen wir besser weg!

So wie dem Vati, so geht’s natürlich auch der Mutti. Deshalb immer schön Obacht geben, wenn Mutti wieder mit Schmackes in die Parklücke saust. Sonst bleibt der Spoiler gleich vor dem Aldi liegen.

Ist leider kein Einzelfall. Aber Uwe schert sich nicht drum. Der verordnet trotzdem weiter seine Monster. Und wenn er nicht aufpasst, dann landet er irgendwann mal mit seinen Steinen direkt unter der Fensterbank von Omma Krause. Wenn das mal keinen Ärger gibt…